Cool im Alter

Cool1 Uns alte Menschen schmückt ein neues Wort: Alterscoolness.

Was ich cool finde im Alter?
Vor kurzem sah ich einen alten Mann, der fast blind  war und an Krücken allein die Straße entlang ging. Das z.B. finde ich cool, dass er nicht zu Hause sitzt und sich denkt: „Ich kann nicht alleine auf die Straße gehen“.
Ich finde es cool, wenn wir mit unseren Zipperlein, Beschwerden, Krankheiten und oft damit verbundenen Einschränkungen unseres Lebens gelassen umgehen – was ja nicht immer einfach ist. Ich finde es cool, wenn wir uns nicht in der Vergangenheit begraben, sondern sie mitnehmen, im Heute leben und in die Zukunft blicken – wie begrenzt auch immer sie sein mag. Und wenn uns niemand sagt, wie wir als alte Menschen auszusehen, zu sein und zu leben haben. Und ich finde es cool, wenn wir souverän bleiben, bis zum Ende unseres Lebens. Alterscoolness: Unter diesem Motto gibt es eine Ausstellung im Rathaus Schöneberg, ein Anlass dem Wort cool nachzugehen.

Geschichte                                                                                                                                                            Der Begriff cool im übertragenen Sinn geht auf die Sklaverei in den USA zurück. Das hat die Amerikanistin und Historikerin der Freien Universität Berlin Ulla Haselstein herausgefunden. Die Sklaven „waren cool, weil sie cool bleiben mussten“ – also einen kühlen Kopf bewahren, ihre Gefühle nicht zeigen, sich zusammenreißen, denn sie hatten ja keine Möglichkeit sich zu wehren.

Danach hat dieses Wort eine interessante Geschichte durchgemacht. In den fünfziger Jahren hat die Beat-Generation die ursprüngliche „Haltung imitiert und ausgebaut: sich nichts anmerken zu lassen und dadurch überlegen zu wirken.“ Im Jazz, der ursprünglich hot war, beginnt 1949 mit dem Trompeter Miles Davis der „Geburtsmoment des Cool“. Hinter dieser Musik steckte „ein scheinbar unerschütterliches Selbstbewusstsein, eine innere Ruhe und Lässigkeit.“
Damals war cool eine Haltung des Nicht-Angepasst-Seins, eine Anti-Haltung, mit der sich viele junge Menschen identifizierten. Wer sich anpasste, war langweilig. Da es heute keine so starken Autoritäten mehr gibt, gegen die man rebellieren könnte, hat sich die Bedeutung des Wortes nochmals verändert. Wenn heute jemand als „cool“ bezeichnet wird, dann drückt das Bewunderung aus – und das gilt vor allem, wenn junge Menschen das Wort für alte Menschen benutzen.

Bedeutungen von cool heute
Im Internet findet man lange Listen zur heutigen Bedeutung des Wortes cool. Es ist inzwischen kein Modewort der Jugend mehr, sondern gehört zur Umgangssprache. Die Bedeutungen sind: lässig, souverän, überlegen, gelassen, toll, großartig, angesagt, stets die Ruhe bewahrend, sich nicht aus der Fassung bringen lassend. Es heißt: Coole Leute erschüttert nichts.

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Auch wenn es häufig einfach das modischere Wort für toll oder super ist, so erkennt man hinter den Definitionen doch noch den Schimmer von dem kühlen Kopf, denn das Wort gelassen taucht besonders häufig auf. Gelassen bleiben kann man ja nur, wenn einen nichts so schnell aus der Fassung bringt.

Alterscoolness                                                                                                                                                    

Heute ist es ja üblich, durch Worte irgendein Thema aufzupeppen. Und nun auch das Alter. Der Begriff Alterscoolness wurde von dem Marburger Ethnologen und Kulturwissenschaftler Harm Peer Zimmermann entwickelt. Bei einer Veranstaltung mit dem Thema „Alterscoolness statt Altersstarrsinn“ sagt er dazu:
„Damit meine ich, dass es Menschen gelingt, vom eigenen Alter Abstand zu gewinnen und zwar in einer Weise, dass man das Alter nun nicht leugnet, sondern dass man sagt, wenn ich die Defizite bemerke und wenn es mir schlecht geht, dann gerade kommt es auf eine bestimmte Haltung an.“ Wenn Menschen also sagen: „Man soll das eigene Alter nicht zu ernst nehmen, man soll auch die Sache mit Humor angehen“, das heißt, dass man in gewisser Weise herabkühlt, was man an Problemen hat, um auf diese Weise durchzukommen und sich gut zu fühlen.
Zimmermann empfiehlt „mehr Coolness gegenüber dem Alter und den Alten, auch der gesamten Gesellschaft“. Man sollte die überhitzte Diskussion mit ihren Bedrohungsszenarien wie Rentenberg und Altenlast herunterschrauben auf eine sachlichere und gelassenere Auseinandersetzung.

Schade, dass das Wort cool so verwässert worden ist. Für die Bewältigung des Alters ist es jedenfalls gut, einen kühlen Kopf zu bewahren. Gelassenheit wirkt dann wie eine Tankstelle – wir tanken Kräfte. Wofür? Um uns zu wehren. Denn im Gegensatz zu den Sklaven können wir uns wehren, an die Bedeutung des „Anti“ anknüpfen. Wichtige gesellschaftliche und politische Streitthemen gibt es ja jede Menge.

 

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