Wie findet man ein gutes Pflegeheim?

Es gibt gute Pflegeheime

Trotz aller Skandale und Krisen gibt es viele Heime, in denen die Dinge gut und richtig laufen. Es gibt Heime, die nicht am Personal sparen und sich auch einen eigenen Koch leisten. Es gibt Heimleiter, die sich Gedanken machen, wie sie die Situation der ihnen anvertrauten pflegebedürftigen Menschen immer wieder verbessern können. Heime, in denen ein liebevoller Umgangston herrscht. Heime, in denen der Mensch als solcher behandelt wird und auch bei Verlust seines Geistes, bei einer Demenz, noch seine Würde behält.

 Wie geht man vor, um ein solches Heim zu finden?

Zunächst einmal eines vorweg: Das richtige Pflegeheim gibt es nicht. Die individuellen Bedürfnisse der pflegebedürftigen Menschen sind genauso unterschiedlich wie die Heime. Wenn Sie auf der Suche nach einem guten Heim sind, sollten Sie sich zunächst einmal fragen, welche Art von Pflege Sie oder ihr(e) Angehörige(r) benötigen.

Gehen Sie dabei am besten ähnlich kritisch und umsichtig vor wie zum Beispiel beim Kauf eines Autos. Zuerst sollten Sie eine Vorauswahl treffen, welche Art von Heim benötigt wird. Denn die Ansprüche und Bedürfnisse der zu Pflegenden sind sehr unterschiedlich. So scheiden manche Heime nicht auf Grund ihrer Qualität oder pflegerischen Leistung, sondern bereits wegen ihrer speziellen Ausrichtung aus. Wer sich im Klaren ist, welche pflegerischen Maßnahmen benötigt werden, sollte bedenken, dass sich der gesundheitliche Zustand mit zunehmendem Alter verschlechtern kann. Auch dieser Umstand sollte berücksichtigt werden. Ansonsten droht irgendwann ein nochmaliger Umzug.

 Wie wählt man ein gutes Pflegeheim?

Eines der ungeeignetsten Mittel ist die Einstufung der Qualität eines Heimes durch den Pflege-TÜV*, denn das ist nichts anderes als übelste Verbrauchertäuschung. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Checklisten**, die aber teilweise zu umfangreich und kompliziert sind. Was nützt es, wenn auf der Checkliste die Frage nach einem Beschwerdemanagement auftaucht, Beschwerden vom Heim aber nicht bearbeitet werden?

Entweder man durchforscht das Internet nach Heimen, die die notwendigen Leistungen anbieten, oder man lässt sich zum Beispiel durch eine Sozialstation beraten.

Woran erkennt man ein gutes Pflegeheim?

Horst PohlWenn eine Auswahl aus mehreren Angeboten getroffen wurde, stellt sich die Frage, wie man erkennt, welches Heim tatsächlich eine gute Pflege leistet.

Zunächst sollten Sie sich die infrage kommenden Heime in Ihrer Nähe anschauen. Wenn möglich, sollte das Heim gut erreichbar sein, damit man bei Besuchen nicht erst lange Anfahrtswege hat. Wohnortnähe hat den Vorteil, dass man die Pflegebedürftigen häufiger mal besuchen kann – denn Besucher sind die besten Kontrolleure.

Ich sehe es als Pflicht der Angehörigen an, dass sie sich auch nach dem Heimeinzug um das Wohlergehen der Angehörigen kümmern. Dazu gehört es auch, dass man sich nach dem Gesundheitszustand erkundigt und auch mal die Medikamente auf ihre Notwendigkeit hin überprüft und dass man den Mut aufbringt, sich über entsprechende Mängel zu beschweren. Bei kritischen Angehörigen muss das Heim immer mit Beschwerden rechnen und wird deshalb versuchen, Ärger zu vermeiden. Das bedeutet aber nicht, dass wegen jeder Kleinigkeit eine Beschwerde erfolgen muss. Denn ein fehlerfreies Heim gibt es mit den derzeitigen Mitteln nicht, und das Personal arbeitet sowieso meist am Limit.

Wenn Sie nun bei dem ausgewählten Heim anrufen und einen Termin für ein erstes Gespräch vereinbaren, achten Sie darauf, wie man mit Ihnen umgeht. Nimmt sich die Heim- oder Pflegedienstleitung Zeit für Sie? Werden Sie gut beraten oder haben Sie das Gefühl, es finde eher ein Verkaufsgespräch statt? Sicher kann es vorkommen, dass Sie zu einem ungünstigen Zeitpunkt anrufen. Eine gute Heimleitung wird Sie dann aber später zurückrufen und genügend Zeit für Sie aufwenden.

 Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl

Wenn es zu einem Besichtigungstermin kommt, ist der erste Eindruck oft entscheidend. Hier einige wichtige Punkte, nach denen ich selbst ein Heim für meine Mutter aussuchen würde:

Wie ist die Atmosphäre? Fühle ich mich hier wohl? Diese Frage müssen Sie für sich ganz individuell beantworten. Ich war schon in Heimen, die hatten eine Eingangslobby wie ein Fünf-Sterne-Hotel. Es war alles sauber, und die Einrichtung war vom Feinsten. Für mich persönlich käme so ein Haus nicht in Frage. Hier sehen Sie, dass es bei der Auswahl eines Heimes nicht die eine klare Linie gibt, nach der Sie vorgehen sollten.

 Es gibt Ausschlusskriterien

Wonach riecht es in dem von Ihnen besuchten Heim? Es kann gerade in Heimen mit lauter geistig verwirrten Menschen vorkommen, dass es in einer bestimmten Abteilung übel riecht. Bei verwirrten Menschen passiert es eben mal, dass ein Bewohner den Flur mit der Toilette verwechselt. Es kann aber nicht sein, dass es im gesamten Heim nach altem Urin oder abgestandener Luft riecht. Sollte es so sein, dann ist es besser, Sie gehen gleich wieder. Denn dann können Sie davon ausgehen, dass es auch an anderen entscheidenden Kriterien, die eine gute Pflege ausmachen, fehlt.

Wenn Ihnen dann die Heimleitung nach einem Vorgespräch das Heim zeigt, lassen Sie sich genügend Zeit. Beobachten Sie die Bewohner und das Personal. Einer der wichtigsten Punkte, auf die Sie achten sollen, ist nicht nur die gesamte Atmosphäre im Haus, sondern vor allem das Verhalten des Pflegepersonals. Nicht nur untereinander sollte der Umgang freundlich sein, sondern vor allem im Austausch mit den Bewohnern. Ist das Pflegepersonal freundlich und liebevoll, dann spricht das schon dafür, dass sich die Bewohner in diesem Heim wohlfühlen. Achten Sie darauf, ob das Personal auch mal Zeit hat, sich um einen Bewohner intensiver zu kümmern, oder ob die Pfleger und Pflegerinnen nur gestresst durch die Gänge hetzen.

Dann schauen Sie auf die Bewohner, vor allem, wenn es sich um an einer Demenz leidende Menschen handelt. Ist Leben im Heim oder sitzen die Bewohner nur apathisch an den Tischen oder in den Sesseln? In diesem Fall ist Wachsamkeit geboten. Es muss nicht sein – aber der Verdacht liegt nahe – dass in einem solchen Heim verstärkt Psychopharmaka eingesetzt werden. Ruhige Bewohner machen eben weniger Arbeit.

 Stellen Sie Fragen

pflege1

Til Mette

Gibt es einen eigenen Koch und eine eigene Küche, oder wird das Essen von einem Lieferdienst gebracht? Essen ist eine der letzten Annehmlichkeiten alter, pflegebedürftiger Menschen. Gutes Essen ist nun mal ein Wohlfühlfaktor und sollte in unserem reichen Land eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Weil es aber in deutschen Heimen keine Selbstverständlichkeit ist, sollten Sie danach fragen.

Gibt es im Heim genügend Hauswirtschaftspersonal? Aus Kostengründen werden vor allem hauswirtschaftliche Tätigkeiten an Fremdfirmen vergeben. Mit Auslagerung werden nämlich Gewinne auf Kosten der Bewohner gemacht. Wird zum Beispiel das Waschen der Kleidung, der Bettwäsche und Handtücher an Fremdfirmen vergeben, dann müssen Sie damit rechnen, dass es bis zu drei Wochen dauern kann, bis die Wäsche wieder gewaschen und gebügelt im Schrank liegt. Das bedeutet, dass Sie deutlich mehr Kleidung vorhalten müssen. Fragen Sie auch, wer das Frühstück zubereitet. Muss das nämlich eine Pflegekraft machen, dann fehlt diese in der eigentlichen Pflege. Pflegekräfte sollen pflegen und nicht kochen und putzen.

Eine weitere Frage ist, ob alle Bewohner die Möglichkeit haben, selbstständig den Garten zu benutzen. Vor allem bei dementen Bewohnern ist Bewegung sehr wichtig. Je mehr Bewegung, umso weniger Psychopharmaka sind nötig. Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich für den Rest Ihres Lebens nur noch auf dem Flur oder dem Aufenthaltsraum einer Station bewegen. Leider ist das in vielen Heimen der Fall. Da befindet sich die sogenannte beschützende Abteilung in einem der oberen Stockwerke. Einen Aufenthalt im Freien gibt es nicht.

Wenn Sie nicht ganz sicher sind, besuchen Sie das Heim zur Mittagszeit. Dann sind nämlich die meisten Bewohner und Pflegekräfte im Essensraum. Da sehen Sie auch, ob das Essen tatsächlich frisch zubereitet wird und wie es dargereicht wird. Sie bekommen mit, wie das Personal mit den Bewohnern umgeht. Und Sie sehen auch, ob das Personal genügend Zeit hat, um den Bewohnern das Essen in Ruhe anzubieten und einzugeben.

Vielleicht haben Sie dabei auch die Möglichkeit, mit anderen Angehörigen zu sprechen. Diese können Sie fragen, wie zufrieden sie sind und wo es Probleme gibt. Auf die Art und Weise bekommen Sie einen Eindruck davon, ob die in den schönen Hochglanzprospekten angepriesene gute Pflege auch tatsächlich so gelebt wird.

 Wenn Sie unter Zeitdruck stehen

Leider kommt es viel zu oft vor, dass die guten Heime belegt sind und in absehbarer Zeit kein freier Platz zur Verfügung steht. Dann ist man oft gezwungen, sich für ein nicht so gutes Heim zu entscheiden. Es gibt Situationen, bei denen eine Pflege zu Hause einfach nicht mehr möglich ist. Oder die Entlassung eines an einer Demenz leidenden Menschen aus einem Bezirkskrankenhaus steht unmittelbar bevor. Dann kann es vorkommen, dass der Zeitdruck so groß ist, dass man sich für das nächstbeste Heim entscheiden muss.

In so einem Fall muss man zwar Abstriche in Bezug auf die Qualität machen. Das bedeutet aber nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss. Ganz im Gegenteil. Das gilt übrigens auch, wenn Sie sich bei der Wahl des Heimes von falschen Versprechungen haben leiten lassen.

 

*  Nach der Einführung des Pflege-TÜVs durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDS) im Jahre 2009 hagelte es bereits nach kurzer Zeit Kritik von allen Seiten, weil die Benotungskriterien irreführend oder undurchschaubar seien und nur die bürokratische Organisation der Pflegeheime berücksichtigten, nicht aber die Qualität der Pflege. Bis zum Sommer 2019 will der MDS konkrete Vorschläge erarbeiten, die u.a. auch die Förderung der Mobilität oder der sozialen Betreuung der Heimbewohner berücksichtigen sollen.
** hier ein Beispiel: https://www.weisse-liste.de/de/pflege/pflegeheimcheckliste/

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *