Ich werde demnächst 50

Und damit zu Thomas Hollmann, der seinen bevorstehenden Geburtstag sportlich nimmt.

Ich werde demnächst 50. Nein, Sie müssen mich nicht bemitleiden. Ich werde gerne 50. Weil ich dann endlich nicht mehr 49 bin. 49 ist ein schreckliches Alter für Hobbysportler wie mich.

Da startet man nämlich immer noch in der Altersklasse 45. Das heißt: alle Konkurrenten sind jünger als man selbst. 48, 47, 46, 45, – gegen all diese Grünschnäbel muss man sich zur Wehr setzen.
Zum Beispiel beim Bergzeitfahren im Schwarzwald. Da hetzt man mit dem Rad den Schauinsland hoch, ist 20 Sekunden schneller als im Vorjahr, steht am Ende aber trotzdem um drei Plätze schlechter da. Weil ein paar Bengel, die im Sommer zuvor erst 44 waren, mittlerweile bei uns Arrivierten mitfahren dürfen und es ganz toll finden, mich um ein paar Sekunden hinter sich
zu lassen.
Und deshalb ist es ein Segen, dass ich bald Geburtstag habe und in die Altersklasse 50 aufrücke. Angst und Schrecken werde ich dort verbreiten. Wohl dem, der schon 55 ist und meinen heißen Atem nicht mehr in seinem Nacken spürt.

Altersklassen sind nämlich in Fünfjahres-Rhythmen getaktet. Und wer sich schon einmal mit dem Verfall des menschlichen Körpers beschäftigt hat, weiß warum. Schon mit 30 beginnen Knochen, Bänder und Knorpel zu degenerieren. Und das hört dann nicht mehr auf. Deshalb ist es nicht nur gerecht, sondern auch anatomisch angemessen, den sportlichen Wettkampf altersgerecht zu gestalten.
Zumal man so sein Dasein nicht als ein stetiges weniger Werden begreifen muss, sondern darin einen sich immer wieder erneuernden Lebensquell erkennen kann. Alle fünf Jahre ist man wieder der Jüngste. Das mag ein typisch männlicher Selbstbetrug sein, auf der anderen Seite: Brustvergrößerungen sind definitiv gefährlicher.

Thomas Hollmann ist Kolumnist bei Inforadio (»Hundert Sekunden Leben«).

Karikatur: Thomas Plaßmann

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