Das Sonderangebot!

Dialog mit einem Computer

Ich brauche eine neue Brille, nach der Star-Operation haben sich die Werte verschoben. Da zahlt sogar die Kasse, sagt mein Augenarzt. Nun, sie zahlen etwas dazu. Das ist ja mal ganz was Neues. Ich suche also den Optiker meines Vertrauens bzw. meines Portemonnaies auf. Von der Kassenzuzahlung hat die Dame, die sich meiner annimmt, noch nie etwas gehört, woher ich das hätte? Von meinem Augenarzt, sage ich. Hm, der sollte das ja wissen. Eigentlich brauche ich nur ein Glas, das nicht operierte Auge kann ja das alte Glas behalten. Nur leider ist die alte Brille beim Umzug verlorengegangen, ich war in der letzten Zeit mit einer uralten Brille über die Runden gekommen. Dieses Glas muss ich natürlich selbst zahlen. Ein Gestell könnte sie mir gratis anbieten, sagt die Dame, sie hätten da ein Sonderangebot. Noch etwas Neues, mit meinen komplizierten Augen falle ich selten unter Sonderangebote. Und wie es denn mit der Fernbrille aussehe, die hätte der Arzt doch auch verordnet. Erstmal die eine, sage ich, mit der anderen wolle ich noch warten. Erstmal abwarten, was das Ganze kostet. Ich suche mir also ein Gestell aus, mit dem ich nicht ganz furchtbar aussehe. Steht Ihnen gut, sagt die Dame und beginnt zu rechnen.

Sonderangebote

Jetzt nimmt sich der Computer der Sache an. Er durchforstet die Angebote und landet bei 500 Euro, was auch sie etwas erschreckt. Soviel habe ich in meinem ganzen Leben nicht für eine Brille ausgegeben, sage ich entgeistert, ob es nicht etwas kleiner ginge? Sie brauchen so viele Prismen, sagt sie, da kann man nicht jedes Glas nehmen. Aber sie hätten da noch ein Sonderangebot, das irgend etwas mit meinem Alter zu tun hat, ein Rentnerbonus vielleicht, wie auch immer. Sie gibt es in den Computer ein, der es aber nicht haben will. Warum nimmt der mir das nicht ab, sagt sie ärgerlich und etwas konfus, ich bin Optikerin, keine Sekretärin. Der Computer teilt mit, dass das Gratisgestell ein Auslaufmodell von Armani sei, das von Sonderangeboten nichts wissen wolle. Armani ade! Und von einer Kassenzuzahlung hat er anscheinend noch nie etwas gehört, das muss sie ihm erst erklären. Wieder was gelernt. Die Summe stellt sich als verschwindend klein heraus; anscheinend war es unter seiner Würde gewesen, sie zur Kenntnis zu nehmen.

Die Optikerin hat inzwischen der Ehrgeiz gepackt, sie produziert immer neue Einfälle. Da gebe es doch dieses Angebot „2 Brillen zum Preis von einer“, ob das wohl greife? Der Computer tut sein Bestes und kommt auf 650 Euro. Allerdings müsse ich mir ein anderes Gestell aussuchen, und ein weiteres für die zweite Brille, denn über die alte Fernbrille war ein Auto gefahren.

In diesem Dialog zwischen der Optikerin und dem Computer, mit dieser abenteuerlichen Kombination unterschiedlicher Angebote, blicke ich schon lange nicht mehr durch. Wovon reden die beiden eigentlich? Ich hatte doch nur eine Brille haben wollen! Aber auf mich hört ja keiner. Wenn wir die Prismen bei der Fernbrille weglassen, wo sie vielleicht nicht so wichtig sind, sagt die Optikerin nach Rücksprache mit dem Computer, kämen wir auf 509 Euro für beide Brillen. Na, sei das kein Angebot? Ich könne auch in Raten zahlen. Das ist allerdings erst der Kostenvoranschlag, aber wenn der Computer nicht noch ein Haar in der Suppe findet, bleibt es dabei. Vielleicht.
Die Optikerin wirkt etwas erschöpft. Trotzdem lehne ich ihr Angebot einer Brillenversicherung ab. Einmal wenigstens will ich Nein sagen.

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