Wie wollen Sie das denn zurückzahlen?

Schulden haben sie, ein über 70jähriges Ehepaar, keine. Aber auch kein volles Konto. Dafür ein abbezahltes Haus. So alt wie das Haus ist auch die Heizung. Da müsste dringend mal was passieren. Und das Bad könnte auch ein wenig angepasst werden, damit der Einstieg in die Badewanne nicht mehr ganz so schwerfällt. Die Rente, naja, nicht „riesig“, aber sie reicht ganz gut zum Leben und für den ein oder anderen Urlaub auch noch. Eigentlich ist alles im Lot.

Nach dem Besuch bei der Bank bei der das Ehepaar seit 40 Jahren Kunden sind, und wo sie seinerzeit auch ihr Haus finanziert hatten, ist nichts mehr im Lot. „Einen Kredit? Für Sanierung? Als Rentner Wann und wie wollen Sie das denn zurückzahlen?“

So oder so ähnlich ergeht es vielen, teilweise langjährigen Kunden, wenn diese in ein gewisses Alter gekommen sind. Jetzt mag der ein oder andere denken „na ja, mit über 70…“, aber es gibt auch andere Fälle, wo die Menschen noch keine 70 sind, vielleicht sogar noch im Beruf stehen. Und trotzdem wird so manches Mal mehr oder weniger deutlich mit Bezug auf die anstehende oder laufende Rentenzeit ein Darlehen verweigert.

Ganz klar, wenn das Geld zum Leben nicht reicht – dann kann und soll eine Bank auch kein Kredit vergeben, da das Problem damit nicht kleiner sondern in der Regel größer würde. Aber vielfach ist es gar nicht die konkrete Einkommenssituation, sondern ausschließlich das vermeintlich „zu hohe“ Alter der Betroffenen. Dabei hat die Bundesregierung nach den nicht ganz klaren Regel im Rahmen der sogenannten Wohnimmobilienkreditrichtlinie von 2016 im April 2018 extra ein „Klarstellungsgesetz“ erlassen. Das trägt den klangvollen Namen: (Immobiliar-Kreditwürdigkeitsprüfungsleitlinien-Verordnung – ImmoKWPLV).

Im Wesentlichen heißt es dort dazu, dass z.B. ein mögliches Ableben unberücksichtigt bleiben kann, wenn wahrscheinlich ist, dass der Darlehensnehmer seinen Verpflichtungen zu Lebzeiten vertragsgemäß nachkommen wird und der Immobilienwert das Darlehen und etwaige Kosten vollständig abdeckt.

Natürlich lässt auch dies noch Interpretationsspielraum. Und es gibt keine Pflicht für Banken, einen Kreditvertrag abzuschließen.Pohls Unarten 0008

Dennoch können wir bei der Verbraucherzentrale Hamburg beobachten, dass es in vielen Fällen – auch nach einer zunächst meist mündlich ausgesprochenen Ablehnung – doch noch Möglichkeiten einer passenden Finanzierung gefunden werden.

Natürlich nur, wenn die sonstigen Rahmendaten stimmen und eine Rate auch bezahlt werden kann. Und wenn es nicht die seit vielen Jahren angestammte Hausbank ist, dann findet sich vielfach ein alternativer Anbieter.

Deshalb unser Fazit aus den Beratungen:

Nicht gleich aufgeben. Verfolgen Sie Ihre Ziele weiter und – ganz wichtig – lassen Sie sich beraten. Am besten neutral, z.B. bei den Verbraucherzentralen. Wenn die eine Bank nicht will, dann gibt es noch viele viele weitere.

Vielfach gibt es neben einem Kredit oder auch alternativ dazu Bundes- und/oder Landesfördermittel für energetische Maßnahmen, alten-/behindertengerechten Umbau usw.

Alexander Krolzik
Abteilungsleiter Immobilienfinanzierung, Bau- und Kaufvertrag
Verbraucherzentrale Hamburg e. V.

Cartoon: www.pohls-unarten.de

 

 

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