Das unsichtbare Innendrin

Ein Buch zum gemeinsamen Lesen von Erwachsenen und Kindern

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»Von einem Tag auf den anderen war Opa Meume plötzlich grau geworden. Nicht seine Haare, die waren schon immer grau. Sondern sein Gesicht, seine Stimme und sein Blick. Davor, als Oma Meume noch lebte, war alles anders. Die beiden waren bunt.«

So beginnt die Geschichte, die die neunjährige Emma erzählt. Sie wohnt in einem Mietshaus im zweiten Stock. Im Stockwerk darüber wohnen Oma und Opa Meume. Für Emma waren sie Ersatz-Großeltern, denn ihre berufstätigen Eltern hatten nicht so viel Zeit für sie. Sie war gern bei ihnen in der Wohnung, dort haben sie gemeinsam viel gelacht. Aber nach dem Tod von Oma Meume hat sich Opa Meume sehr zurückgezogen, verlässt die Wohnung nur noch zum Einkaufen. Er sitzt den ganzen Tag im Sessel und redet mit sich selbst. Hartnäckig findet Emma immer wieder Gründe, von ihm in die Wohnung gelassen zu werden und holt ihn allmählich aus seiner Sprachlosigkeit.

Eines Tages fragt Emma: »Wo ist Oma Meume jetzt eigentlich?« Weiterhin heißt es im Buch: »Natürlich hatte ich schon dies und das darüber gehört. Die einen sagten, man käme in den Himmel oder in die Hölle, die anderen behaupteten, man würde wiedergeboren. Als jemand ganz Anderes oder vielleicht auch als Tier. Aber so richtig wusste es niemand. Ich hatte das Gefühl, das jeder an das glaubte, was ihm am besten gefiel.« So genau weiß es Opa Meume auch nicht, aber er meint: »Ich glaube, wenn ein Mensch stirbt, bleibt das übrig, was man nicht sehen kann, das Innendrin.« Also kommt Emma zu dem Schluss, »dass von allen Menschen, die gestorben waren, das Innendrin noch da wäre – also überall unsichtbare Innendrins.«

Nach einigen turbulenten Ereignissen, endet die Geschichte damit, dass Opa Meume ins Krankenhaus kommt und stirbt.

Emma geht noch einmal in die leere Wohnung und sagt: »Oma Meume und Opa Meume. Ich wollte euch nur sagen, dass ihr zu mir ziehen könnt« … Und sie kommt zu dem Schluss: »Ich war mir ganz sicher, dass es keinen Spaß machte, in einer leeren Wohnung zu wohnen. Selbst als unsichtbares Innendrin nicht.«

Die Geschichte kreist um Alt werden und Sterben in der Sprache und den Vorstellungen der neunjährigen Emma. Sie ist ein aktives Mädchen, das Verantwortung übernimmt, mit ihrer Eigenständigkeit aber manchmal über das Ziel hinausschießt. Die Themen sind eingebettet in die Schilderung des alltäglichen Lebens der drei Generationen mit ihren unterschiedlichen Rollenvorstellungen. Der Schauplatz ist im bürgerlichen Milieu angesiedelt, hat stellenweise etwas von heiler Welt, was aber stimmig erscheint aus der Sicht einer Neunjährigen.

Das Buch ist einfühlsam und authentisch geschrieben. Kinder können es gut alleine lesen. Aber es eignet sich auch zum gemeinsamen Lesen, Lachen, Traurigsein und Reden über die wichtigen Lebensfragen von Alter und Abschied.

Das Buch endet mit Emmas Bitte an Opa und Oma Meume, in ihre Wohnung zu ziehen. So kann sie immer weiter mit ihren »unsichtbaren Innendrins« kommunizieren – ein Trost für Kinder wie auch für Erwachsene.

Maggie Schneider:
Opa Meume und ich

Mit Illustrationen von Eleanor Sommer
Tulipan Verlag, München 2016

Für Kinder von 8 bis 10 Jahren

 

 

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