Die Alten machen Theater

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Seit 30 Jahren spielen, spotten, singen Berliner Senioren im „Theater der Efahrungen“.

Sie organisieren sich in drei Gruppen und nennen sich „Spätzünder“, „Bunte Zellen“ oder „Ostschwung“. Mal tauchen sie spontan in der U-Bahn auf und mischen die Fahrgäste auf. Mal bringen sie Schwung ins Seniorenwohnheim. Und immer wieder spotten, lachen, singen und
spielen sie von den Bühnen der Stadt, auf Tourneen in der Bundesrepublik, auf Gastspielen in Frankreich, Griechenland und in der Türkei.

Zum 30. Geburtstag, schlossen sich die drei Gruppen für eine Produktion zusammen: rund 40 Spielerinnen und Spieler zwischen 60 und 90 Jahren schrieben, probten, spielten, sangen
und präsentierten gemeinsam ihr Ju-biläums-Musical „Altes Eisen“ – eine Bestandsaufnahme über das Leben im Alter zwischen Alltagsfrust und Erdbeertorte, über den immer währenden
Wunsch nach Großer Liebe und über die Suche nach Ersatzteilen für die müder werdenden Knochen. Vorauseilendes Gelächter und hinterherhinkendes Nachdenken waren garantiert. Alle sieben Vorstellungen waren restlos ausverkauft. Über 1800 Besucher applaudierten begeistert.

Herzschrittmacher und Korsage, Stützstrumpf und auch Schuh, hier ’ne Schraube, da ’nen Dübel und du läufst im Nu
aus: Altes Eisen

Genau wie im Musical „Altes Eisen“ wird auch in den übrigen Theaterstücken die Handlung von den Spielerinnen und Spielern selbst erdacht. Oft mischen sich dabei eigene Alltagserfahrungen mit dem gelassenen Humor des Alters zu kritischen wie komischen Theaterproduktionen, weit entfernt von beschaulichen Schunkel-Inszenierungen und betulicher Nabelschau. Hintergründig wie fordernd wird formuliert.

Zwischen siebzig-plus und Exitus liegen noch zwei Bundestagswahlen!
aus: Altes Eisen
Satirisch-scharf blickt das Theaterstück „Hartz IX“ in die Zukunft, preist unter dem Slogan „Back to Life“ lebenslanges Arbeiten bis zum Happy End – wahlweise auch den unverdienten Ruhestand im Massencontainer. Dass Liebe im Alter Verrücktes hervorbringen und eifernde Vaterlandsliebe so manchen Verrückten stark machen kann – früher wie heute -, ist Thema in „Ach du liebes Bisschen“. Schwarzer Humor und männermordende Küchenfeen dominieren den Einakter „Eine Frau wird erst schön in der Küche“.

Neben wöchentlichen Proben werden rund 100 Auftritte pro Jahr absolviert, in Berlin und auf Gastspielen in der Bundesrepublik, in der Türkei, in Frankreich und in Griechenland. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise wurden im Laufe der Jahre eingesammelt, darunter auch die „Berliner Tulpe 2008“ für „Allet janz anders – Hersey farkli“, eine Produktion der deutsch-türkischen Theatergruppe „Bunte Zellen“ über Gemeinsamkeiten von Türken und Deutschen.

Mit der ersten Probe am 17. März 1980 startete das Theater der Erfahrungen als fahrendes Volkstheater durch Berliner Bezirke, ohne festen Spielort, getragen durch das Engagement alter Menschen. Im Laufe der Jahre wuchs das Theater der Erfahrungen weit über die drei Stamm-Gruppen „Spätzünder“, „Ostschwung“ und „Bunte Zellen“ hinaus:
Zweimal pro Monat können sich theaterbegeisterte Seniorinnen und Senioren im kostenlosen Nachwuchs-Workshop „Graue Stars“ auf den Bühnenbrettern ausprobieren und den Spaß am Spielen erfahren – angeleitet durch erfahrene Spieler.

In neun Berliner Bezirken wurden bereits zehn weitere Theater-, Musik- und Schreib-Gruppen gegründet, alle werden über die Aufbauphase bis hin zur Selbständigkeit betreut. 2011 kommen in Treptow-Köpenick, Pankow und Hohenschönhausen noch drei weitere Theatergruppen, eine Gruppe für Pantomime und eine Trommelgruppe hinzu.

An kreativen Alten mangelt es also nicht. Und wirklich alt ist nur, wer rostet.

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Theate der Erfahrungen – Werstatt der alten Talente, Werkstattleitung Eva Bittner, Johanna Kaiser Cranachstr. 7, 12157 Berlin Tel 855 42 06

theater-der-erfahrungen@nbhs.de

www.theater-der-erfahrungen.de

 

 

 

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