Faltenwurf und Runzelmuster

Der Kampf gegen die Altershaut

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Der Vergrößerungsspiegel beim Schminken bringt es an den Tag: eine zerklüftete Landschaft voller Falten und Flecken, große ausgeleierte Poren, zwischen denen sich winzige rote Äderchen ausbreiten, kleine Warzen, rote Pünktchen und Altersflecken, die immer größer werden. Eine Gesichtslandschaft, die man lieber nicht jeden Morgen angucken möchte.

Doch was hilft es: jeder Mann und jede Frau erleben diesen Alterungsprozess, der genau genommen schon ab dem 25. Lebensjahr beginnt. Aber erst in reiferen Jahren wird es dramatisch, Abbau auf der ganzen Linie! Kollagenabbau: Die Haut wird zunehmend dünner, trockener und verliert an Elastizität; die Fähigkeit, Feuchtigkeit zu binden, nimmt ab. Die Zellerneuerung wird langsamer. Zellabfall bleibt in den Zellen liegen und wird nicht mehr abtransportiert. So entstehen die lästigen Altersfle
cken, die die Wissenschaft ganz uncharmant lentigo senilis nennt.

Dabei trifft es Menschen durchaus unterschiedlich, denn zunächst hängt die Alterung von dem individuellen genetischen Programm ab. Manche, die auch in späten Jahren noch relativ straff und jugendlich wirken, haben, so sagt man, »gute Gene«, während andere, genetisch gesehen,weniger begünstigt sind. Daneben gibt es aber die Alterung durch äußere Faktoren. Zuviel Sonne bzw.
UV-Licht, zuviel Stress, Alkohol, Nikotin und falsche Ernährung können zu Hautschäden führen, die der Körper irgendwann nicht mehr ausgleichen kann.

Und so schauen wir, Männer und Frauen, in den Spiegel und sehen ein Furchennetz, in dem die Mimik der vergangenen Jahrzehnte eingerostet erscheint. Dann möchten wir nur allzu gerne an die Verklärungen des Alters glauben, die in der Öffentlichkeit immer wieder verbreitet werden. Motto: Das Netz zarter Falten im Gesicht und die venenblauen Hände erzählen doch Geschichten
eines reich bewegten Lebens voll Erfahrung, Glück und Schmerz! Mag sein, aber es fällt schwer, solche Beschwichtigungen zu glauben, denn hierzulande herrscht mehr denn je der ungebremste Kult des jugendstraffen Körpers, vorwiegend in Bezug auf das weibliche Geschlecht.

Anti-Aging: Der Traum von ewiger Jugend

Kein Wunder, dass auch die Wissenschaft dem Jugendkult huldigt. In dem Standardwerk »Therapie der Hautkrankheiten« der renommierten Dermatologen C. Orfanos und C. Garbe wird das Altern der Haut zwar als natürlicher unausweichlicher Prozess mit allen seinen Abbauerscheinungen beschrieben. Dennoch wird »eine konsequente medizinische Behandlung und Betreuung jeweils auftretender Alterungsfolgen« empfohlen als »eine Strategie gegen das Altern an sich.« Na holla, wie soll man das verstehen? Wird Altern jetzt schon als Krankheit definiert? Sollen sich ältere Menschen etwa routinemäßig einem Anti-Aging-Programm unterziehen, das ihnen mit Hyaluron- oder Botoxspritzen, mit Laserskalpell oder Fruchtsäure-Schälkuren das Altern gleich ganz austreiben soll?

»Anti-Aging ist ein moderner Begriff, der einen schon sehr lange währenden Traum der Menschheit umschreibt: Ewige Jugend«, so steht es auf der Homepage eines der zahllosen Anti-Aging-Institute, die es in Deutschland und in der ganzen Welt bereits gibt. Zugegeben: Beim Kampf gegen die Falten geht es auch um ein tief verwurzeltes seelisches Bedürfnis der Menschen, die wissen, dass sie langsam aber sicher auf das Ende des Lebens zugehen. Letztendlich will man »ewig« jung bleiben, um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Doch aus solchen Ängsten lässt sich eben auch vortrefflich Kapital schlagen. Nicht nur Privatinstitute haben erkannt, dass auf diesem Schönheits-Markt sehr viel Geld zu verdienen ist. Immer mehr Hautärzte und auch HNO-Ärzte oder Gynäkologen preisen auf ihren Internetseiten und in ihrer Praxis viele teure Anti-Aging-Verfahren an. Sie haben sich damit in Zeiten gedeckelter Budgets neue Märkte erschlossen. Denn ästhetische dermatologische Eingriffe oder auch Hormon-Ersatz-Therapien müssen in der Regel privat bezahlt werden.

»Der Schlüssel zur Jugend ihrer Haut!« Unzählige teure Tages- oder Nachtcremes verheißen den verunsicherten Konsumenten, dass sie den Alterungsprozess aufhalten können. Da gibt es viel pseudowissenschaftliches Geschreibsel, das einem wahre Wunderdinge weismachen will. So sollen alle möglichen Substanzen tief in die Haut eindringen und dort Schäden reparieren können. Das aber geht schon mal gar nicht! Was tief eindringen kann, müsste nämlich als Medikament angemeldet und speziell zugelassen werden. Die Schönheits-Cremes, so zeigen Untersuchungen der Stiftung Warentest, helfen eher auf der Oberfläche und das nur, solange sie angewendet werden. Sie machen die Haut geschmeidiger, weniger trocken und schützen vor Lichteinwirkungen. Aber die Falten werden dabei höchstens um Hundertstel Millimeter flacher. Und das ist mit dem bloßen Auge kaum zu sehen. Doch wer sich etwas Gutes tun will, blättert viel Geld für teure Tiegel hin und hofft, dass sich die Werbeverheißungen vielleicht doch erfüllen. Ausprobieren schadet ja nichts, aber preiswerte Cremes, so die Stiftung Warentest, tun es auch! (vgl. www.testberichte.de)

Gift und Säure gegen Falten

Man kann natürlich auch zu schärferen Waffen greifen. »In nur 10 Minuten die Sorgenfalten verschwinden lassen« – so oder ähnlich lauten die Versprechungen, wenn es darum geht, die Aufarbeitung alternder Gesichter mit Hyaluronsäure anzupreisen. Hyaluronsäure, eine körpereigene Substanz, nimmt im Alter ab. Indem man sie von außen zuführt und Schrumpelpartien damit unterspritzt, sollen Runzeln und Falten verschwinden. Tatsächlich bindet diese Substanz verstärkt Wasser und kann damit wirklich zu Aufpolsterungseffekten führen. Aber das Hyaluron-Gel wird im Laufe einiger Monate abgebaut und muss immer wieder neu gespritzt werden. Und dann sind schon wieder ein paar Hundert Euro futsch!

Nicht immer gelingt der Eingriff. In einem Internetblog bereut eine »Hannelore«, dass sie den Eingriff von einer Kosmetikerin hat machen lassen: »Auf der rechten Seite wurde mehr gespritzt als auf der linken und da sind immer noch die Knubbeln zusehen, weil sie das nicht einmassiert hat.« (www.gutefrage.net) Kosmetiker oder Ärzte, die nicht genug Erfahrungen haben, können leicht mal hier zu viel und dort zu wenig spritzen. Und Rötungen, Schwellungen oder kleine Blutergüsse an den Einstichstellen gibt es vorübergehend auch.

Noch massiver kann dagegen Botox wirken, ein Nervengift, das Lähmungserscheinungen hervorruft. In niedriger Dosierung in die Falten gespritzt, z. B. in die Zornesfalten an der Stirn, lähmt es die Gesichtsmuskeln so, dass der zerknitterte Look, wenn es gut gemacht ist, wie ausgebügelt erscheint.

Gerade in Hollywood wird reichlich Botox verbraucht, für männliche und weibliche Stars. Letztes Jahr erst ätzten die Gazetten, dass Nicole Kidmann z. B. keine Rollen mehr bekomme, weil sie zuviel davon gespritzt habe und nunmehr keine Miene mehr verziehen könne. »Mimik? Fehlanzeige«, hieß es in der Bunten und in der Gala »Nicole Kidmans Karriere ist ebenso erstarrt wie ihr gebotoxtes Gesicht«. Glücklicherweise baut sich Botox ebenfalls von alleine ab, so dass man irgendwann wieder man selbst sein kann.

Und was geht noch? Hässliche Hauterhebungen, rote Punkte, Altersflecken und dergleichen können z. B. weggelasert werden; Hautbuckel werden abgetragen, Farbpigmente zerstört. Gegen Altersflecken – übrigens auch gegen Akne – werden außerdem Schälkuren mit Fruchtsäure angeboten, die die Haut glätten, aufhellen und braune Flecken blasser machen sollen. In mehrfachen Sitzungen werden Fruchtsäuremixturen auf die Gesichtshaut aufgetragen, damit sich die Haut wie beim Sonnenbrand pellt und damit erneuert. Auch dabei kann es zu Rötungen, Schwellungen und Verkrustungen kommen, die selbst wieder Narben bilden. Und schmerzhaft ist es auch.

In jedem Fall sollte man sich nur in die Hände versierter Fachleute begeben. Hören Sie sich um, holen Sie mehrere Angebote ein, und vergleichen Sie die z. T. extrem differierenden Preise. Wer im Beratungsgespräch erfährt, dass er nach einem Peeling wochenlang nicht in die Sonne gehen kann, entscheidet sich ja vielleicht gegen solch eine ätzende Prozedur.

Wem das alles nicht genug ist, der kann natürlich noch einschneidendere Maßnahmen ergreifen: Schönheitsoperationen an allen möglichen Körperteilen sind heute an der Tagesordnung und werden millionenfach gemacht. Lidstraffungen, Gesichtsliftings, Fettabsaugung … manche Damen der Gesellschaft oder Stars, die mit ihrem Aussehen Geld verdienen, haben sich auch schon mal rundum erneuern lassen. Nun ja, jeder muss wissen, was er nötig hat und was er sich zumuten will. Wenn aber gesellschaftliche Entwicklungen irgendwann einmal zu einem neuen Blick auf das Alter führen würden, könnte man mit dem leidigen »Faltenwurf« auch ganz anders umgehen. Vielleicht stehen wir ja irgendwann einmal selbstbewusst vor dem Spiegel, klopfen ein bisschen Creme ins plissierte Antlitz, tupfen noch einen Hauch Rouge hinzu und sagen lächelnd zu der Person, die uns da entgegen schaut: Es ist, wie es ist, und das ist auch gut so!

 

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