Was hat die Corona-Pandemie mit dem Naturschutz zu tun?

Woher kommen diese Viren?

Mein Nachbar meckert über ,Corona‘: „Diese ständige Angst vor einer Ansteckung, diese blöden Masken, die vielen Einschränkungen, der wirtschaftliche Ruin …“ 
„Und so weiter“, sage ich.

Aber mein Nachbar ist sehr verärgert: „Ich habe jetzt langsam genug von diesem Theater. Dass wir das auf unsere alten Tage noch erleben müssen!“
„Die Epidemie hätte wahrscheinlich verhindert werden können.“, erwidere ich.
„Was sagen Sie da? Das glauben Sie doch nicht im Ernst! In den Zeitungen soll gestanden haben, dass das Corona-Virus aus China stammt und aus einem Labor entwichen ist oder dort sogar zu einem Killervirus zusammengebastelt wurde. Sind das alles etwa nur Fake News oder Verschwörungstheorien aus dem Internet?“
„Die Wissenschaftler sind sich darin einig, dass das Corona-Virus von Wildtieren stammt. Höchstwahrscheinlich existierte der Erreger auf Fledermäusen und wurde über einen Zwischenwirt – wahrscheinlich ein weiteres Säugetier – auf den Menschen übertragen.
„So genau kann man das wissen?“
„Ja. Das geschah entweder auf einem Fleischmarkt oder auf einem der chinesischen Wildtiermärkte, auf denen das Fleisch von illegal gejagten Tieren verkauft wird. Auch lebende Tiere, die sich in engen Käfigen gegenseitig anstecken, werden gehandelt.
Namhafte Biologen und Virologen haben das Corona-Virus und etliche Virus-Variationen, die auf Fledermäusen gefunden wurden, untersucht und mit dem Corona-Virus von infizierten Menschen verglichen. Und festgestellt, dass beide in ihrem Erbgut-Aufbau fast identisch sind.“
„Und was soll man nun glauben?“
„Das, was bewiesen ist. Nicht glauben, sondern wissen. Aber nicht nur die Veröffentlichungen von Wissenschaftlern, auch die Logik spricht gegen die These vom Killervirus. Im Erbgut der Fledermaus-Viren gibt es für die Viren ungünstige Erbkombinationselemente, die man bei einer eventuellen Konstruktion eines künstlichen Virus sicher nicht eingebaut hätte.“
„So gut kennt man den Bau dieser Viren?“
„Ja. Wissenschaftler hatten ja schon Erfahrungen mit ähnlichen SARS-Viren bei HIV, Ebola, der sogenannten Schweine- und der Vogelgrippe sowie ähnlichen Krankheiten gesammelt. Bereits vor mehr als 20 Jahren hatte man solche Viren im Visier. Die ersten Coronaviren wurden bereits in den 60er Jahren entdeckt und beschrieben. `Man muss das Virus kennen, bevor es uns kennt´, hieß es schon damals. Im Jahre 2018 warnten Wissenschaftler der Warschauer Universität vor einer Epidemie durch SARS-Viren. Trotzdem wurden wir auf den Corona-Ausbruch nicht vorbereitet. Einige Regierungen reagierten nach den ersten Massenansteckungen irrational, schockiert und chaotisch.“
„Ja, genau“, sagt mein Nachbar und schließt seine Wohnungstür auf.

Was sind Viren?

Als wir uns wieder im Hausflur begegnen, sagt mein Nachbar: „Dass man diese Biester aber auch nicht besser bekämpfen kann. Wenn man sie wenigstens sehen könnte. Dann könnte man sie vielleicht totschlagen.“ fügt er halb scherzend hinzu.
„Es sind keine ,Biester‘“, sage ich. „Und sehen kann man sie auch.“
„Aber nur auf künstlerischen Abbildungen.“
„Nein, man kann sie unter dem Elektronenmikroskop deutlich sehen und es gibt gute fotografische Abbildungen von ihnen. Sogar innerhalb von Zellen des menschlichen Körpers.“
Mein Nachbar kramt in seiner Hosentasche und holt einen Zettel hervor:
„Wie groß ist eigentlich so ein Virus? Was soll die komische Bezeichnung SARS oder so ähnlich? Und warum heißt das Virus ausgerechnet Corona-Virus? Mich erinnert das eher an einen Seeigel.“
„Das Coronavirus (genauer: SARS-COV-2 = Severe acute respiratory syndrom coronavirus 2) hat eine Größe von 60 bis 160 Nanometer (1 nm = 10 -9 m). Würde man 10.000 dieser Viren nebeneinander legen, käme man auf eine Länge von 1 Millimeter. Den Virologen, der dieses Virus als Erster beschrieben hat, erinnerte dessen Gestalt wegen der Spikes an der Oberfläche nicht an eine Königskrone sondern an die so genannte Sonnenkorona. Mit diesen Spikes kann das Virus an die Zellmembran der Wirtszelle andocken und mit ihr verschmelzen.

„Wieso sind es keine Biester?“
„Als Biester bezeichnet man ja im allgemeinen bedrohliche Lebewesen. Viren sind aber – nach der Definition in der Biologie – keine Lebewesen, weil sie keinen Stoffwechsel haben und sich nicht aus eigener Kraft fortpflanzen können. Man kann sie also, streng gesehen, auch nicht totschlagen oder abtöten – auch wenn das sogar Virologen manchmal so ausdrücken.“
„Hmm.“
„Für Stoffwechsel und Fortpflanzung brauchen die Viren eine Wirtszelle, an die sie sich anheften und in die sie eindringen. Ihr Erbmaterial steuert dann den weiteren Verlauf in der Wirtszelle und es kommt zur Vermehrung der Viren.“
„Viren sind tote Stoffe?“
„Sie bestehen aus organischen Material, genauer: aus Erbmaterial, aus Nukleinsären, die meist von einer Eiweißhülle umgeben sind.“
„Und seit wann gibt es diese Bie.., ich meine diese seltsamen Wesen?“
„Sie entstanden vielleicht schon, bevor sich die ersten Lebewesen entwickelten oder sie sind Erbmaterial-Reste von ehemaligen Lebewesen.“
„Das reicht mir fürs erste“, sagt mein Nachbar und verschwindet in seiner Wohnung.

Was ist schief gelaufen?

Sein Interesse scheint aber ungebrochen, denn als wir uns wieder begegnen, sagt er:
„Dieses Naturereignis ist wie ein unverschuldetes Schicksal über uns gekommen, meinen Sie nicht
auch?“
„Auch wenn das Virus nicht in einem Labor zusammengebastelt wurde, so ist diese Pandemie kein unvermeidbares Naturereignis. Sie ist – zumindest vorwiegend – menschengemacht.“
„Nein.“
„Doch.“
„Und diese ekelhaften Fledermäuse?“
„Fledermäuse und die mit ihnen nahe verwandten Flughunde, sind ganz normale Bewohner tropischer und subtropischer Ökosysteme. Sie haben ein Recht auf ihr Leben und sind auch ein wichtiges Glied in der Nahrungskette, unentbehrlich als Pflanzenbestäuber und Samenverbreiter.“
„Aber von denen kommen doch diese Viren.“

„Nicht die Wildtiere sind schuld, wenn es zu Übertragungen von Krankheitserregern auf die Menschen kommt. Die Ursachen von solchen Epidemien müssen wir bei uns selbst suchen – vor  allem in den von Menschen verursachten Umweltveränderungen. Ökosysteme und Menschen sind miteinander verbunden und aufeinander angewiesen.

Im 20. Jahrhundert wurde bereits die Hälfte aller tropischen Regenwälder vernichtet, Wälder, in denen zwei Drittel aller Lebewesen der Erde wohnten. Der natürliche Lebensraum der Wildtiere wird immer weiter dezimiert, so dass z. B. Flughunde, weil sie nicht mehr genügend Fruchtbäume finden, in die Nähe der Menschen in Städten und Siedlungen kommen.
Durch Rodungen und Störungen der natürlichen Ökosysteme sterben viele spezialisierte Tierarten aus. Einige wenige Arten, die sich gut anpassen können, werden häufiger und füllen die entstandenen Lücken. Sie verhalten sich oft weniger scheu gegenüber den Menschen. Dieser Wechsel der Arten in einem Ökosystem kann gewaltige Auswirkungen auf das Infektionsrisiko haben, das dann oft nicht vorhersagbar ist.
Fledermäuse tragen erstaunlich viele unterschiedliche Viren am oder im Körper ohne selbst krank zu werden, weil sie ein sehr wirksames Immunsystem entwickelt haben. Werden solche Tiere durch menschliche Einwirkungen selten, gibt es weniger unterschiedliche Gene, die vererbt werden, und die Immunabwehr der Population nimmt ab. Auf den Märkten, auf denen Fleisch von toten Tieren und lebende Wildtiere verkauft werden, können sich letztere dazu noch durch die enge Käfighaltung gegenseitig anstecken.
Wir alle leben in einer immer enger werdenden Welt. Überbevölkerung und die Vernetzungen der Globalisierung führen zu weltweiten Ansteckungsgefahren. Seit Beginn der achtziger Jahre haben sich die Virus-Infektionskrankheiten alle zehn Jahre mehr als verdreifacht. Und die meisten der Viren stammen von Wildtieren.“

Was können wir tun?

 „Aha, nun verstehe ich auch, was Sie meinten, als Sie sagten, man hätte diese Pandemie vielleicht verhindern können. Aber was hätte man denn tun sollen?“
„Bei dieser Corona-Pandemie hätte es vielleicht genügt, dass man alle Fleisch- und Wildtiermärkte rechtzeitig geschlossen und die Informationen über die Ansteckungen schneller weiter gegeben hätte.
Viel wichtiger aber ist, dass wir versuchen müssen, weitere Virus-Epidemien zu verhindern. Viele Wissenschaftler sind der Ansicht, die nächste Pandemie werde wahrscheinlich nicht so glimpflich verlaufen wie die jetzige. Wir beklagen auch jetzt schon viele Tote und schwer Erkrankte, und in einigen Ländern können nicht einmal alle Betroffenen behandelt werden. Aber das Coronavirus ist zum Glück kein ‚Killervirus‘ wie z.B. das Ebola-Virus, das eine sehr hohe Sterberate hat. Das nächste Mal könnte es anders kommen.
Deshalb wird uns nichts anderes übrig bleiben als rechtzeitig grundlegend umzudenken. Die Regierungen und die Wirtschaft sind gefordert. Die Weltgesundheitsorganisation muss in ihren Kompetenzen gestärkt, alle Gesundheitssysteme müssen weltweit reformiert werden. Informationen müssen ohne Verzögerung weiter gegeben werden. Die Virusforschung muss entscheidend finanziell gefördert werden. Wir müssen uns um den Arten-, Umwelt- und Klimaschutz kümmern. Der internationale Handel mit Wildtieren muss verboten werden. Die Natur unserer Erde muss erhalten und geschützt werden.

Das Roden und Abbrennen der Tropenwälder und andere Naturzerstörungen müssen sofort aufhören. Der rasante Abbau von Bodenschätzen, die weitere Versiegelung des Bodens, der Bau von noch mehr Straßen und Autos müssen eingeschränkt werden“.
„Da muss sich aber vieles ändern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gelingen wird. Vielleicht muss es noch eine viel schlimmere Pandemie geben, bis …“
„Das möchte ich uns nicht wünschen!“
„Und was können wir persönlich tun?“
„Na, das Übliche. Wir können Umweltschutzorganisatoren unterstützen, Petitionen einreichen und Unterschriften sammeln, nachhaltige Produkte kaufen und uns umweltschonender ernähren.
Wenn das alles nichts hilft, werden wir lauter protestieren und auf die Straße gehen müssen.“
Nachdenklich betritt mein Nachbar seine Wohnung und schließt die Tür.

 

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