Wo ist meine Brille?

Aus dem Redaktionsalltag

Brillen

I. Akt

Die Redaktionssitzung ist zu Ende, die meisten sind gegangen. Sigrid, Barbara und ich kramen noch unsere Sachen zusammen. Meine Tasche ist gepackt. Auf dem Tisch liegt eine Brille. Wessen Brille? Meine – deine – seine – ihre Brille? Heute ist mir aufgefallen: Urte hat so eine ähnliche wie ich – hat sie sie vergessen? Und Thomas auch – hat er sie vergessen? Urte ist gerade gegangen. Ich renne auf die Straße, rufe ihren Namen. Sie kommt zurück. „Hast du deine Brille vergessen? “ Nein, hat sie nicht.

II. Akt

Ich kehre zurück in den Raum, wo Barbara und Sigrid sich noch unterhalten. Also hat Thomas seine Brille vergessen, denkt womöglich, er hat sie verlegt – vergessen – verloren! Sigrid sagt: „Er wohnt bei mir in der Nähe. Sag ihm, ich nehme sie mit.“ Ich telefoniere vom Büro aus, spreche auf seine Mailbox: „Thomas, du hast deine Brille vergessen. Du kannst sie bei Sigrid abholen“.

III. Akt

Ich gehe zurück. Auf dem Tisch liegt keine Brille mehr! Ich bin verwirrt. Jetzt ist die Brille nicht verlegt, vertauscht, vergessen: Sie ist verschwunden. Wo ist die Brille? Meine liegt doch in ihrem Etui. Ist sie jetzt verloren? Wer hat sie verlegt? Nun suchen wir alle drei. Ich schaue noch einmal im Büro nach. Keine Brille zu finden. Nirgends. Sigrid sagt: „Wir hören auf.“

Finale

Ich gehe zur U-Bahn, steige ein. Die Brille lässt mir keine Ruhe. Langsam fällt bei mir der Groschen: Sollte es etwa meine gewsen sein? Zu Hause klingelt das Telefon. Sigrid ist dran. Thomas hat seine Brille. Keine Brille wurde verlegt – verloren – vergessen. Es ist auch keine verschwunden. Nur ich war verwirrt.

 

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